Kastanienwald Murg – ein Paradies mit Regeln

Kastanienwald Murg ist einer dieser Orte, bei denen man automatisch langsamer wird. Alte Edelkastanien, Lichtflecken auf dem Boden, der Blick Richtung Walensee – fast mediterran, ruhig, einladend. Gerade im Herbst zieht es viele Menschen hierher: Familien, Spaziergänger, Schulklassen, Maronisammler. Verständlich. Und genau deshalb ist Rücksicht so wichtig.

Empfindliche Bäume mit langer Geschichte

Die Edelkastanie ist kein gewöhnlicher Baum. Viele der Kastanien in Murg sind mehrere hundert Jahre alt. Sie prägen die Landschaft – und sie sind verletzlich. Besonders bedroht sind sie durch den Kastanienrindenkrebs (Cryphonectria parasitica), eine Pilzkrankheit, die über kleinste Verletzungen in die Rinde eindringen kann.

Was harmlos wirkt, kann grossen Schaden anrichten:

  • auf Bäume klettern

  • Äste abbrechen

  • Steine oder Zapfen hochwerfen

  • Rinde verletzen oder ritzen

Jede Wunde ist ein mögliches Einfallstor für Krankheiten. Und was einmal infiziert ist, lässt sich oft nicht mehr retten.

Maroni haben ihren eigenen Rhythmus

Ein wichtiger Punkt, den wir im Gespräch mit Besucherinnen und Besuchern immer wieder erklären: Maroni sind erst reif, wenn sie von selbst zu Boden fallen.
Schütteln, schlagen oder werfen schadet dem Baum – und bringt keine besseren Früchte. Geduld gehört hier zum Naturerlebnis dazu. Wer sammelt, sammelt nur, was am Boden liegt. Alles andere bleibt am Baum – für den Baum.

Unsere Einsätze im Herbst: präsent, ansprechbar, ruhig

Besonders im September und Oktober sind wir häufig im Gebiet unterwegs. Der Kastanienweg ist gut besucht, der Spielplatz belebt, die Stimmung oft fast paradiesisch. Genau dann braucht es Präsenz – nicht laut, nicht belehrend, sondern aufmerksam und offen.

Unsere Arbeit vor Ort:

  • Gespräche führen statt verbieten

  • erklären, warum Regeln Sinn machen

  • sensibilisieren für die Bedürfnisse der Bäume

  • beobachten, wo Nutzung und Natur in Konflikt geraten

  • vermitteln zwischen Erholung, Spiel und Schutz

Viele wissen es schlicht nicht besser. Ein kurzer Austausch reicht oft, damit aus Unachtsamkeit Rücksicht wird.

Natur geniessen – ohne sie zu verletzen

Der Kastanienwald Murg ist ein Geschenk. Damit er das bleibt, braucht es Respekt für das, was hier wächst – und Zeit hatte zu wachsen. Wenn wir die Bäume in Ruhe lassen, sie nicht beschädigen und nur nehmen, was sie freiwillig hergeben, bleibt dieser Ort auch für kommende Generationen ein kleines Paradies.

Und genau dafür sind wir draussen unterwegs. Mit offenen Augen. Und offenen Ohren.

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