Wenn aus Verkehr wieder Lebensraum wird
Das Team ZH1 auf Exkursion im Ueberlandpark Schwamendingen
Nach unserem Teammeeting zog es uns hinaus. Nicht weit weg, aber an einen Ort, an dem man sehr gut sehen kann, wie stark sich Stadt, Landschaft und Lebensräume verändern können: in den Ueberlandpark in Schwamendingen.
Am Nachmittag hatten wir im Team ZH1, dem Rangernetz-Team ZüriUnterland, unsere Einsätze für das dritte Quartal besprochen. Wir klärten organisatorische Fragen, stimmten uns zu teaminternen Themen ab und nahmen uns Zeit für das, was im Rangeralltag oft genauso wichtig ist wie draussen unterwegs zu sein: Austausch, Abstimmung und gemeinsames Lernen.
Danach gingen wir gemeinsam auf Exkursion.
Ein Park über der Autobahn
Der Ueberlandpark ist kein gewöhnlicher Park. Er liegt auf der Einhausung der Autobahn A1L in Zürich-Schwamendingen. Wo früher Verkehr, Lärm und Trennung dominierten, ist heute ein neuer Freiraum entstanden: für Menschen, Pflanzen und Tiere.
Harry führte uns durch diesen besonderen Ort und erzählte von der Geschichte Schwamendingens. Von Oerlikon, von der städtischen Entwicklung, vom Autobahnbau und davon, wie stark sich das Quartier seit seiner Kindheit verändert hat. Für ihn ist dieser Ort nicht einfach ein neues Stadtprojekt. Er ist auch ein Stück gelebte Erinnerung: an ein Schwamendingen, das früher anders aussah, anders klang und anders funktionierte.
Mit der Einhausung folgt nun ein weiterer Entwicklungsschub. Die Autobahn ist nicht verschwunden. Aber sie ist überdeckt. Und auf diesem Deckel wächst etwas Neues.
Biodiversität unter schwierigen Bedingungen
Besonders spannend für uns als Rangerinnen und Ranger war der Blick auf die ökologische Seite des Parks. Denn der Ueberlandpark ist nicht einfach grün gestaltet. Er wurde bewusst als vielfältiger Lebensraum geplant.
Das ist anspruchsvoll. Auf dem Dach der Einhausung herrschen extreme Bedingungen: viel Sonne, Hitze, Wind und teilweise nur eine dünne Erdschicht. Genau solche mageren, trockenen Standorte können für die Biodiversität aber sehr wertvoll sein, weil sie selten geworden sind. Entsprechend wurden Pflanzen ausgewählt, die mit Trockenheit, Hitze und wenig Boden zurechtkommen. Ergänzt wird die Bepflanzung durch Steinstrukturen, Totholz, Trockenmauern, Nistmöglichkeiten und spezielle Elemente für Wildbienen.
So entsteht mitten in der Stadt ein Lebensraum für Insekten, Vögel, Kleinsäuger, Reptilien und viele Pflanzenarten. Gleichzeitig wirkt der Park als Verbindungselement zwischen verschiedenen Grünräumen – ein ökologischer Korridor über eine Infrastruktur hinweg, die lange als Barriere wirkte.
Dass dieser Ansatz Beachtung findet, zeigt auch die aktuelle Auszeichnung: Der Ueberlandpark wurde mit dem Binding Preis für Biodiversität ausgezeichnet. Der Preis würdigt Projekte, die mit Kreativität und Ausdauer zur Vielfalt von Lebensräumen, Arten und genetischen Ressourcen beitragen.
Was wir mitnehmen
Für uns war die Exkursion mehr als ein Spaziergang über ein begrüntes Autobahndach. Sie zeigte, wie viele Themen an einem Ort zusammenkommen: Stadtentwicklung, Verkehr, Quartiergeschichte, Erholung, Klima, Biodiversität und Vermittlung.
Gerade für unsere Arbeit im Rangernetz ist das wertvoll. Wir begegnen draussen Menschen, die ihre Umgebung nutzen, schätzen, hinterfragen oder manchmal auch gar nicht bewusst wahrnehmen. Orte wie der Ueberlandpark helfen dabei, Gespräche zu führen: über Natur in der Stadt, über Veränderungen im Lebensraum, über Chancen und Grenzen von ökologischer Aufwertung.
Und sie zeigen auch: Biodiversität entsteht nicht nur in abgelegenen Naturschutzgebieten. Sie kann auch dort gefördert werden, wo man sie auf den ersten Blick vielleicht nicht erwartet – auf einem Autobahndach, mitten in der Stadt.
Das Rangernetz-Team Zürcher Unterland v.l.n.r. Nicole Moraz, Sarah Stammler, Harry Keller, Damaris Bächi, Christopher Müller, Tessa Hegetschweiler, Raymund Scheffrahn und Johannes Scheuring. Alice Jaeckel und Marco Driessen sind nicht auf dem Bild.
Gemeinsamer Abschluss bei Apéro und Nachtessen
Nach der Exkursion liessen wir den Nachmittag bei einem Apéro im Bistro im Park ausklingen. Der Ort passte gut zu unserem Besuch: Mitten im neu entstandenen Freiraum, über der einst trennenden Verkehrsachse, blieb Zeit, Eindrücke zu teilen, Fragen weiterzuspinnen und das Gehörte einzuordnen.
Solche Momente sind für ein Team wichtig. Nicht alles, was uns als Rangerinnen und Ranger beschäftigt, lässt sich in Sitzungen oder Einsatzplänen klären. Manchmal braucht es den informellen Austausch: ein Gespräch über eine Beobachtung unterwegs, eine Rückfrage zu einer Situation im Einsatz, ein gemeinsames Staunen über eine Pflanze, einen Vogel oder eben über die Frage, wie viel Natur auf einem Autobahndach möglich ist.
Am Abend ging es weiter ins Restaurant Dreispitz. Beim gemeinsamen Nachtessen standen dann weniger Traktanden im Vordergrund als das Zusammensein. Nach Teammeeting, Exkursion und vielen Eindrücken war es ein schöner Abschluss: miteinander essen, lachen, Geschichten austauschen und spüren, dass Rangerdienst nicht nur aus Einsätzen besteht, sondern auch aus Teamgeist, Vertrauen und gemeinsamem Interesse an Natur, Landschaft und Menschen.
So endete der Tag dort, wo gute Teamtage oft enden: nicht mit einem formellen Schlusspunkt, sondern mit Gesprächen, die weiterwirken.
Quellen und Grundlage: Teamnotizen zum Ueberlandpark sowie SRF-Bericht zur Auszeichnung des Ueberlandparks mit dem Binding Preis für Biodiversität. (https://www.srf.ch/radio-srf-1/begruentes-autobahndach-ueberlandpark-gewinnt-hochdotierten-preis-fuer-biodiversitaet)